Alexander Gerst und Matthias Maurer sind Astronauten und haben die Erde bei ihren Raumflügen schon aus dem Weltall gesehen. In Kürze wird einer von ihnen auf den Mond fliegen. Den Blick von dort auf unseren Planeten könnten sie auch in der Ludwig-Kirche in Ibbenbüren erleben. Dort ist vom 12. April bis 3. Mai eine ganz besondere Ausstellung zu sehen. „Gaia“ (griechisch „Mutter Erde“) heißt die große Weltkugel des britischen Künstlers Luke Jerram und ist eine originalgetreue Nachbildung der Erde, die mit NASA-Bildern gestaltet ist. „Gaia hat dieselbe Größe wie die Erde, wenn man sie vom Mond aus betrachtet.“
Schulseelsorger Christoph Moormann hat die Initiative ergriffen und das Kunstwerk nach Ibbenbüren geholt. Schirmherr des Projekts ist NRW-Umweltminister Oliver Krischer. „Wir holen gleichsam die Welt in die Kirche“. Die Ausstellung verbinde Erinnerung, Spiritualität, Bildung und Kultur. Sie erinnert an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 und mache zugleich auf die aktuellen ökologischen und friedenspolitischen Herausforderungen aufmerksam. Tschernobyl habe deutlich gezeigt, welche Gefahren der menschliche Umgang mit Technik und Energie bergen kann – und dass es Dinge gebe, die der Mensch nicht beherrschen kann. Das Projekt lädt alle Menschen ein, besonders aus dem pastoralen Raum Hörstel, Ibbenbüren und Lengerich.
„Die Ausstellung bietet eine einzigartige, fächerübergreifende Lernplattform, um jungen Menschen durch die eindrucksvolle visuelle Erfahrung und das begleitende Programm globale Verantwortung Schöpfungsbewahrung und die komplexen Zusammenhänge etwa von Wissenschaft und Technologie, Ethik, Religion und Frieden unmittelbar zugänglich zu machen“, erläutert Andre von Gostomski, didaktischer Leiter der Erna-de-Vries-Gesamtschule.
„Die denkmalgeschützte Ludwigkirche ist als Veranstaltungsort ein sakraler Raum. Genau deshalb ist die Ausstellung hier richtig, weil sie Schöpfung, Glauben und die komplexe Welt miteinander verbindet“, sagt Pfarrer Martin Weber.
„Mit der Installation der Weltkugel Gaia wollen wir die Schönheit, aber auch gerade die Verletzbarkeit unserer Erde in den Blick nehmen“, hebt Barbara Kurlemann aus dem Organisationsteam hervor. „Die Katastrophe von Tschernobyl ist jetzt 40 Jahre her – nicht nur der Tag verpflichtet uns zu einem Gedenken, da die Folgen auch heute noch besonders in Belarus und der Ukraine, aber auch weltweit spürbar sind“, betont Reinhard Jansing aus der Initiative „Den Kindern von Tschernobyl“.
Ein vielfältiges Begleitprogramm wird die Installation ergänzen: Führungen für Schulklassen und Kindergärten, thematische Impulse zur Schöpfungsverantwortung, spirituelle Feiern, Gesprächsabende mit Expertinnen und Experten und musikalische Veranstaltungen. Unter anderem haben die Moderatorin und Autorin Janine Steeger, Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif und Meteorologe Donald Bäcker bereits zugesagt. Zur Eröffnung am 12. April kommt Weihbischof Dr. Christoph Hegge. Der Klimabeauftragte der deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Rolf Lehmann, steht am Donnerstag, 23. April, unter dem Stichwort „Die Erde im Blick“ Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulen Rede und Antwort. Andre Ost, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg, wird am 3. Mai den Abschlussgottesdienst halten.
Die Ausstellung wird drei Wochen in der verdunkelten Ludwig-Kirche gezeigt. Die Weltkugel „Gaia“ hat sechs Meter Durchmesser, hängt an der Kirchendecke, dreht sich alle vier Minuten einmal, leuchtet von innen und wird mit besonderem Licht angestrahlt. Besucherinnen und Besucher können so die „Faszination der Erde“ erleben. Die außergewöhnliche Kunstinstallation eröffnet dafür einen Resonanzraum, der gleichermaßen zum Erinnern, zum Staunen und zum Handeln ermutigen will.

