Liturgie@home

without the words – Playlist zu Advent und Weihnachten 2022

Wir brauchen Hoffnung.

Krisen, Kriege, Populismus, Zukunftsangst und Mutlosigkeit sind gegenwärtig geworden. „Die Zeiten werden schwerer“, denken viele von uns. Aber es gibt auch Menschen, die sich wehren, Menschen, die sich zusammenschließen, sogar demokratisch gesinnte Politiker, die Wahlen gewinnen. Es gibt Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen, Menschen, die verbinden und Brücken bauen.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf stieß ich auf einen Text des amerikanischen Franziskaners Richard Rohr, der mir aus der Seele spricht:

"Ich liebe, was ich sehe, und ich finde das Leben aufregend.

Gleichzeitig weiß ich, dass es noch viel mehr zu sehen und zu hören gibt,

viel mehr zu wissen und zu tun.

Dieses Sehen ist allerdings auch schmerzhaft.

Es gibt Dinge, die ich lieber nicht sehen oder wissen würde.

 

Und ich wusste schon früh:

Worte spalten die Wirklichkeit in „entweder – oder“,

aber meine Lebenserfahrung war immer „sowohl als auch“.

Ich persönlich kann nur überleben,

indem ich versuche, Brücken zu bauen,

die meine Konzepte und die Konzepte anderer sowohl bestätigen

als auch in Frage stellen.

 

Ich glaube an Gerechtigkeit, Wahrheit, Konsequenz, Aufrichtigkeit, persönliche und ökonomische Verantwortung, verlässliche Liebe und Demut – das sind alles zutiefst traditionelle Werte.

Dennoch muss man meines Erachtens kreativ, radikal, dialogfähig

und sogar in Opposition zu herrschenden gesellschaftlichen Normen leben, um diese Werte in nennenswerter Tiefe zu verwirklichen.

Weder in der Kirche noch in der Politik von heute gibt es viele Konservative oder Progressive,

die das überzeugend tun. Beide Lager sind zu dualistisch – sie denken und sehen die Dinge nicht zusammen.

 

So geht es mir in erster Linie um die Frage, warum Menschen nicht gut sehen können – und wie sich das vielleicht ändern ließe.

Was hält uns Menschen davon ab, die Wirklichkeit wahrhaftig, unprätentiös und konstruktiv zu lesen?

Weshalb scheinen wir alle – einschließlich derer, die in der Kirche, im Bildungssektor und im Staat ganz oben sind – so gefangen zu sein in uns selbst?

Weshalb haben wir die Religionen daran gehindert, ihre Aufgabe zu erfüllen, die darin besteht, Menschen und Gesellschaften zu transformieren?

Weshalb haben wir den Menschen gesagt, sie müssten an Gott „glauben“, um ihn zu erfahren, wenn Gott doch offenkundig auf Wegen wirkt,

die ´kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat

und die keinem Menschen in den Sinn gekommen sind`

(erster Korintherbrief 2,9).“

 

Worte spalten die Wirklichkeit, und Got geht auf Wegen, die keine Auge gesehen und kein Ohr gehört hat. Deshalb ist dieser musikalische Kalender bis auf das letzte Stück im Epilog ohne Worte,

eben „without the words“.

Jedes Kalenderblatt enthält einfach einen Dialog

zwischen einem Musikstück ohne Worte und einem kurzen Bibeltext,

beide ohne Kommentar.

 

Wenn Sie möchten,

können Sie damit jeden Tag eine neue Erfahrung machen.

 

Ich wünsche Ihnen eine gute Advents- und Weihnachtszeit.

Vielleicht schauen wir darin über den Horizont hinaus  oder in die Tiefe

und finden

Hoffnung

 

Wilfried Prior

 

Das Musikstück für einen Dialog mit diesen einleitenden Gedanken von Richard Rohr findet sich hier:

Ksenia Sidorova – Revelation, https://open.spotify.com/track/4aQ3HRwrvPv3y2SkWr75Si?si=3bc84efad8ee420c