Bernard Krause: Eisernes (65.) Priesterjubiläum

Sieben Jahrzehnte hindurch hat Gott, der Herr, mich gerufen in sein Priestertum. Erst in der schweren Zeit der Kriegsteilnahme und in der Nachkriegszeit habe ich nach und nach seinen Ruf vernommen, erst sehr leise und verhohlen, dann klarer und deutlicher, bis ich mir bewusst war, dass der Ruf eine „Berufung" sein könnte. Ja, Gott dank, war es so, bis heute! Ich bat um Gespräche und Ratschläge mit mir bekannten, erfahrenen, klugen Priestern und Laien. Da sagte mir auch mein Geist und Gewissen: Ja, sag Gott ja! Unter Gebet und Studieneifer begann ich. Nach dem Abitur in Osnabrück studierte ich in Münster und Passau insgesamt 6 Jahre Philosophie und Theologie. Der krönende Abschluss war der Empfang des 6. Sakramentes, die heilige Priesterweihe, die uns Bischof Dr. Michael Keller am 18. Dezember 1954 spendete. Als Weihe- und Primizspruch habe ich einen Satz aus dem 1. Korintherbrief gewählt: ,,Durch die Gnaden Gottes bin ich, was ich bin." Mit mir weihte er noch 49 weitere Priesteramtskandidaten. Er war sicher froh, auf einmal so viele neue junge Kapläne zu bekommen. Das gibt es heute leider nicht mehr! Alle 50 jungen Priester empfanden mit ihrem Bischof überschwängliche Freude, Dank und Glück. Nach Schluss des feierlichen Pontificalamtes zogen wir mit dem Bischof, mit brennenden Kerzen in den Händen, das lateinische Magnificat singend, aus der übervoll besetzten Lamberti-Kirche nach draußen. Dort wurden wir von unseren Eltern, Geschwistern, Verwandten, Freunden und Bekannten begrüßt, beglückwünscht und empfangen. Am 2. Weihnachtstag, dem Fest des heiligen Stephanus, feierte ich im heimatlichen Mettingen meine Primiz. Nach einigen Urlaubstagen erfolgten die Aussendungen der 50 jungen Diener Gottes. Zu Beginn meiner Laufbahn kam ich für mehrere Monate als Aushilfe nach Oberhausen-Osterfeld im Ruhrgebiet. Die für mich bestimmten und auch gewünschten weiteren Stellen waren: Haltern am See, Haltern Annaberg, Laer, Osterwick, Ibbenbüren. In Osterwick endete meine Laufbahn als Kaplan abrupt, da ich nach einem Jahr zum dortigen Pfarrer ernannt wurde, weil die Gemeinde es so wollte und es mit den in der Gemeinde eingeholten Unterschriften beim Bischof auch erreichte. Nach einigen Jahren bat mich der Generalvikar für drei Landkreise zusätzlich die Gehörlosenseelsorge zu übernehmen. Ich kam der Bitte sehr gerne nach. Ich empfinde bis zum heutigen Tag die Berufung als teures Geschenk Gottes und schaue dankbar auf 65 Jahre zurück. Dankbar bin ich meinen Eltern, Großeltern, Geschwistern, Schwägerinnen, Verwandten, dem Fastabend Nierenburg und vielen lieben Menschen für Gebet, Wohlwollen und Mitfreude. Alle Gemeinden, in denen ich wirken durfte, waren gut, religiös, zur Mitarbeit bereit und landschaftlich schön gelegen; Das Positive übertraf bei Weitem das Negative. Und nun scheint mir, dass mich der Herr Gott auch mit/dem sechsten Jubiläumstag, dem Eisernen, beschenken will, im Alter von 95 Jahren. Ein altes Sprichwort sagt: „Stahl und Eisen bricht, nur .... die Liebe Gottes nicht" - Herr Gott, lass mich eisern sein - Te deum laudamus – Bernard Krause